Es ist soweit! Der Container ist unterwegs, nur noch die letzten Dinge in die Koffer packen und los geht es für 3 Jahre nach China …

Der Flugcontainer ist längst gepackt und unterwegs. Alles was nicht mehr in den Flugcontainer reinpasste und was wir meinten für die ersten Wochen unbedingt zu brauchen, hatte ich in vier überdimensionierte Koffer gepackt. Sechs Handgepäckstücke waren randvoll gefüllt mit Dingen die wir vergessen hatten oder von denen wir überzeugt waren ohne sie die ersten Monate nicht überleben zu können. Dazu kam noch als Sperrgepäck zwei Kindersitze und ein Kinderwagen.

Vor der Haustüre wurden wir von unseren Freunden mit unserem persönlichen Shuttleservice – dem Fritzle’s China-Express – empfangen. Unsere Freunde hatten das Verabschiedungskommando übernommen. Von der Familie hatten wir uns bereits in den Tagen zuvor verabschiedet. Das Gute an einer Abschiedsphase ist, dass das ständige Verabschieden so anstrengend und traurig ist, dass man am Ende alles will, nur sich von niemanden mehr verabschieden und das Gehen somit unglaublich erleichtert.

UNSER PERSÖNLICHER SHUTTLESERVICE ZUM FLUGHAFEN

Ein letztes Umarmen und Winken von den Nachbarn und schon waren wir unterwegs Richtung Flughafen München. Auf der Fahrt hatten wir richtig Spaß. Mit unseren Freunden spielten wir in Gedanken viele Anfangssituationen in den verrücktesten Varianten und Szenarien durch. Wir brüllten vor Lachen über unsere skurrilen Ideen. Dass das wirkliche Leben weitaus kreativer und verrückter war als das was unsere Phantasie hergab, ahnten wir glücklicherweise nicht.

Das bisschen Gepäck

Ein Teil unseres Sperrgepäcks mussten wir allerdings direkt wieder mit unseren Freunden zurückschicken. Der Kinderwagen war beim Transport zu Bruch gegangen. Vermutlich war das eine freundliche Fügung von oben, denn in China hätten wir ihn nie wirklich gebraucht. Wir legten dort wesentlich weniger zu Fuß zurück als in Deutschland und bei den kurzen Strecken hieß es für unsere Kleine dann, einfach marschieren. Ein kurzes aber tränenreiches Umarmen und Verabschieden von den Freunden und schon zogen wir los Richtung Check-In-Schalter.

Das leichte Anheben der Augenbraue der Dame vom Bodenpersonal verstärkte unsere Befürchtungen, dass die Menge und Größe der Gepäckstücke evtl. etwas von dem normalen Alltagsgepäck abwich. Gottlob wurden unsere Monsterkoffer aber schon bald mit den üblichen Zettelchen versehen und verschwanden – mit einem erleichterten Seufzer unsererseits – im Schlund des Gepäckbandes.

 

SELBST DIE KLEINEN HABEN IHR PERSÖNLICHES HANDGEPÄCK

Auf der Flucht

Übrig blieb nur noch unser Handgepäck. Wobei hier das Wörtchen “nur” vermutlich etwas deplatziert ist. Bei der Sicherheitskontrolle schafften wir mit unserem übrig gebliebenen Handgepäck, auch dort das routinierte Bodenpersonal zu irritieren. Ein Sicherheitsbeamter fragte: „Jo sind’s denn auf d’r Flucht?“ Nachdem alle Umstehenden neugierig und abwartend lauschten, sagte ich etwas peinlich berührt: „So etwas Ähnliches. Wir wandern aus!“ Das schien ausreichend als Erklärung. So, dass unsere Gepäckstücke ab da niemanden mehr interessierten, bis auf die Stewardessen, die wir mit dem Verstauen unseres Handgepäcks ordentlich ins Schwitzen brachten.

Gleichermaßen erschöpft wie erleichtert, dass das Gepäck und wir unseren Platz gefunden hatten, ließen wir uns in die Sitze fallen und waren einfach nur froh, dass es jetzt endgültig losging. Die Mädels saßen wie kleine Mickeymäuse mit riesigen Kopfhörern in ihren Sitzen und ließen sich abwechselnd mit Würstchen, Wasser, Säften, Nüssen und Spielzeug verwöhnen. Wie schnell der Mensch an Annehmlichkeiten adaptiert … unglaublich!

Man lernt nie aus

Eines lernten wir außerdem bei unserem ersten Flug, dass man auf keinen Fall Kindertrinkbecher mit Kohlensäurehaltigem füllen sollte. Wir hatten einen Becher mit integriertem Trinkröhrchen dabei. Zudem hatte ich ausnahmsweise statt Wasser, Sprite eingefüllt, um den Abschiedsschmerz etwas zu versüßen. Als die Stewardess wartete, dass ich die Flasche zum Nachfüllen öffnete und ich den Verschluss mit dem knickbaren Röhrchen zurückschnappen ließ, sprühte eine Fontäne direkt in das Gesicht der Stewardess. Die pappige Limonade breitete sich großzügig über ihre linke – perfekt geschminkte – Gesichtshälfte aus und begann in schmalen Bahnen über das Gesicht zu fließen. Die Stewardess bewegte sich nicht, auch ich war komplett erstarrt und konnte nur noch auf das surreale Dalíkunstwerk, das auf ihrer rechten Gesichtshälfte entstand, starren. Und dann … griff sie, als wäre nichts geschehen nach einer Serviette, tupfte ohne die Miene zu verziehen das klebrige Getränk von ihrer Wange und meinte: „Etwas mehr von der Limo vielleicht?“ In dem Moment war ich gleichermaßen schockiert wie beeindruckt und muss an dieser Stelle sagen: “Kompliment liebe Lufthansa, das Überlebenstraining der Stewardessen lohnt sich definitiv!”

Und so geht es weiter …

Das neue Nest, ein Zuhause zählt zu den elementarsten Dingen in einer neuen Heimat um sich heimisch und sicher zu fühlen. Wie es uns in den ersten Tagen erging und wo wir uns zum ersten Mal heimisch fühlten …

DU MÖCHTEST AUF KEINEN FALL VERPASSEN WIE ES WEITERGEHT?

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4 thoughts on “LIVING IN CHINA – China wir kommen

  1. Dany

    Liebe Silke, wieder ein toller Beitrag, hat mich an unseren Flug nach den Sommerferien zurück erinnert. Unser Flieger war voll mit Fernsehmoderatoren, die zur Olympiade unterwegs waren, und ich habe beim aussteigen die Milchflasche von Nils fallen lassen, und Jörg Wontorra‘s Hose und Schuhe voll gespritzt. Mann war das peinlich.

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