Spielzeug kaufen im Eldorado der Spielzeugproduktion sollte unsere leichteste Übung werden. Mal wieder täuschten wir uns ganz gründlich und es kam anders als erwartet.

Bei einem Auslandsaufenthalt ist es für Kinder wichtig Vertrautes bei sich zu haben. Vor allem in der Anfangszeit. Das Lieblingsspielzeug ist wie ein Anker in der neuen Welt, es ist ein kleiner vertrauter Kosmos, ein Rückzugsort im Umfeld des Fremden und Neuen.

Vor unserer Ausreise mussten wir uns mit dem Thema auseinandersetzen, was wir letztendlich mitnehmen würden. Für unsere Habseligkeiten stand uns nur ein Flugcontainer mit den Maßen 306 x 230 x 240  cm zur Verfügung, somit war der Raum und die Möglichkeiten äußerst beschränkt und wir konnten lediglich die allerwichtigsten Dinge mitnehmen. Das bedeutete eine unglaubliche Herausforderung für uns. (Vom Packen). Doch zu guter Letzt hatten wir entschieden was für uns wirklich wichtig ist und der Container war gepackt. Allerdings war der prozentuale Anteil an Spielzeug am Ende erschreckend dominant. Allein das machte uns bewusst, welche Rolle Spielzeug im Leben einer Familie mit Kindern von 2 und 5 Jahren spielt.

Einkaufen im Eldorado der Spielzeugproduktion

Zu den wichtigsten Spielzeugen unserer Kinder gehörten auch ein Bobbycar, ein grüner Trettraktor und ein großes Spielpferd auf dem man reiten kann. Problem an diesen drei Dingen – ihre Größe. In unserem Flugcontainer war dafür definitiv kein Platz mehr gewesen. Aber kein Thema, schließlich reisten wir ins Eldorado der Spielzeugproduktion und die drei Lieblingsstücke waren sowieso „Made in China“.

Mal wieder kollidierten unsere Vorstellungen die wir von China hatten mit der Realität. Dort angekommen, gehörte es zu meinen ersten Projekten mich auf die Suche nach den Lieblingsobjekten zu machen. Ich durchforstete Kaufhäuser, Supermärkte und Spielzeugmärkte und fand …

Kein Pferd! Kein Bobbycar!! Kein Traktor!!! 

Mit was spielen chinesische Kinder nur?

Erneut zog ich los. Dieses Mal um eine Fallstudie zu starten und zu beobachten, mit was chinesische Kinder denn nun spielten. Schnell wurde mir klar, das Thema treten und sich selber bewegen schien äußerst verpönt, wenn nicht sogar als gefährlich eingestuft. Jedes Fahrzeug oder Dreirad was ich finden konnte, war entweder mit einer Stange versehen, damit man die Kinder schieben kann, oder es war batteriebetrieben, so dass das Kind Gas geben kann, aber bloß nicht selber treten muss. Als unabdingbare Voraussetzung für jedes Gefährt gilt jedoch – es muss in allen Farben und Varianten blinken, quietschen und piepsen können. Das beschränkt sich allerdings nicht nur auf Fahrzeuge. Absoluter Abverkaufsgarant in China ist, wenn Spielzeug oder Schuhe blinken sowie quietschen können. Später stellte ich darüber hinaus fest, dass diese Regel nicht nur ausschließlich für Kinderkleidung und Spielzeug gilt.

Meine Fallstudie war beendet und mir war schnell klar, mit dem Ergebnis waren meine Kinder weder zu begeistern, noch ihrer überquellenden Energie und Bewegungsdrang Genüge getan.

Wo in aller Welt waren die „Made in China“ Bobbycars, Traktoren und Pferdchen?

… die fuhren und galoppierten direkt in den nächsten Schiffscontainer und verbreiteten sich fröhlich überall auf der Welt, außer in China – das ergab zumindest meine Recherche bei Freundinnen die schon länger in Peking lebten. So musste ich mich von der Illusion verabschieden, dass das was vor Ort produziert, ebenso dort verkauft wird.

Einer eher traditionelles Ausgehwägelchen, es hat mit den modernen Versionen, die blinken und quietschen nur eines gemeinsam – schieben, bloß nicht treten!

 

Chinesische Wunderkinder!

Während meiner Spielzeugrecherchen traf ich auf ein anderes spannendes Thema zum Thema Kinder in China. Immer wieder begegneten mir Kleinkinder oder Babys mit Höschen die den Po entblößen. Erst dachte ich, dass es sich dabei um eine Art Sommerhöschen mit natürlicher Belüftung handelt. Überall sah man Kleinkinder mit diesen speziellen Höschen, sie gehören zum Alltagsbild in China. Sie tragen diese Hosen jedoch nicht nur draußen und zur warmen Jahreszeit, sondern sommers wie winters einfach überall, auch im Restaurant. Daher konnte meine These mit den Sommerhöschen nicht so ganz passen.

Was ist das Geheimnis hinter den Freilufthöschen?

Immer wenn ich auf Kinder mit solchen Höschen traf, drängten sich mir umgehend äußerst eindringliche Bilder vor Augen

… unsere Kinder im Babyalter… mit offenen Höschen ausgestattet … unterwegs … ein Besuch im Restaurant …

Allein der Gedanke daran und wie sich das Ganze wohl abgespielt hätte, trieb mir den kalten Schweiß auf die Stirn. Bei den chinesischen Kindern konnte ich dagegen nie ein Malheur irgendeiner Art beobachten. Waren alle kleinen Chinesen Wunderkinder? Oder gab es einen Trick!? Was war das Geheimnis um diese Höschen … ?

Es gab in der Tat einen Trick. Mal wieder lüftete eine Freundin die schon lange in China lebte das Geheimnis. Diese offenen Höschen sind unter dem Name Kāidāngkù – Schlitzhose bekannt.

Chinesische Schlitzhöschen – herrlich luftig und frei

Bereits von klein auf, häufig schon wenige Tage nach der Geburt, aber spätestens nach wenigen Wochen, bringen die Mütter den Babys bei Alarm zu geben. Mit einem Geräusch, einem leisen Klickern mit der Zunge oder einem Pfeifen, werden die Kinder sobald sie ihr Geschäftchen verrichten trainiert. Anhand des Nachahmens dieser Laute und aufgrund bestimmter Bewegungen des Kindes, weiß die Mutter wann es Zeit ist aktiv zu werden. Das Ganze setzt allerdings eine gewisse Nähe und Vertrautheit zum Kind voraus. In China werden die Kinder sehr intensiv von der Mutter, Oma oder einer Ayi  (Haus- und/oder Kindermädchen) betreut, deshalb funktioniert es meist auch ganz wunderbar.

Besondere Nähe macht es möglich

 

Natürlich wollen manche moderne Eltern lieber die seit 1998 eingeführten Papierwindeln verwenden. Doch aufgrund der starken Tradition und der nicht unwesentlichen Kostenersparnis, trägt immer noch der Großteil aller chinesischen Kinder die offenen Höschen. Zudem ist modern manchmal bereits veraltet. Wenn man es vom Umweltgedanke aus sieht, sind uns die Chinesen dahingehend weit voraus. Es ist zu hoffen, dass diese Tradition in China erhalten bleibt. Auf jeden Fall kann man interessante Kombinationen aus Windel und offenem Höschen beobachten, so vermischt sich hier häufig Tradition mit Moderne.

Doch wie bei vielem was wir als typisch Chinesisch zuordnen, findet man auch auf unserem Kontinent etwas Ähnliches. In Österreich (vielleicht gab es sie früher auch bei uns in Deutschland!?) waren diese Art Hosen unter dem Begriff „Schnellfeuerhosen“ bekannt. Was den Hauptsinn des Ganzen sehr gut auf den Punkt bringt.

Und es gibt sie doch!

Wir waren bereits einige Monate in China, als mir bei einem Spaziergang durch unseren Compound (bewachtes Wohnviertel), doch tatsächlich genau solch ein grüner Traktor, wie ihn unsere Kinder sehnlichst vermissten, begegnete.  Auf dem Traktor saß ein kleiner Junge, er raste vergnügt an mir vorbei. Mein Herz hüpfte, ich kannte den Jungen! Er gehörte zu einer anderen deutschen Familie, die nur wenige Häuser weiter wohnte. Umgehend machte ich mich zu ihnen auf den Weg, um die Geheimquelle ausfindig zu machen.

Als ich vor ihrer Haustüre stand und klingelte, traute ich kaum meinen Augen. Im Vorgarten entdeckte ich außerdem ein Bobbycar! Wenn das die Mädels sehen würden … Die Türe ging auf und bevor ich loslegen konnte, sagte meine Nachbarin schmunzelnd: „Du willst wissen woher wir das Bobbycar und den Traktor haben, nicht wahr?“ Sie hatte meinen fassungslosen und neidischen Blick Richtung Bobbycar sofort richtig gedeutet.

Ich lachte ertappt. „Ja genau, ich bin eben eurem Kleinen mit dem Traktor begegnet … wo habt ihr bloß die Fahrzeuge her!? Ich suche schon seit Monaten danach!“

Sie grinste und sage: „Aaalso, es gibt 3 Möglichkeiten. Entweder man bringt das Fahrzeug bereits bei der Einreise mit dem großen Schiffscontainer aus Deutschland mit (war bei uns hinfällig, da wir mit Flugcontainer angereist waren), oder es wird bei Kurzreisen aus Shanghai oder Hongkong für teures Geld mitgebracht und als dritte Variante bleibt die Möglichkeit es bei der nächsten Heimreise als Sperrgepäck mitzunehmen.“ Das war es! Das war die perfekte Möglichkeit!! So würden wir es machen. Ich bedankte mich und machte mich glücklich auf dem Heimweg. Endlich hatte ich eine Lösung. Einziges Problem dabei, es war noch einige Zeit hin bis zu unserem Heimurlaub.

Das Wunschobjekt

Wie lange dauert es noch?

Tagtäglich rollerte nun ein fantastischer grüner Traktor oder ein knallrotes Bobbycar, inklusive einem wie ein König grinsenden Jungen darauf, direkt an den Nasen der Mädels vorbei. Ihnen wurde trotz Bitteln und Betteln, nur in absoluten Ausnahmen und höchstens für wenige Minuten gestattet, die begehrten Fahrzeuge zu nutzen. Und das vermutlich einzig und allein deshalb, weil danach ihre Augen noch größer und die Gesichter der beiden noch länger waren. Den Rest der Zeit drehte er vergnügt seine Runden vor unserem Haus.

Schon als die Mädels die Fahrzeuge das erste Mal sahen, war das Geschrei groß: „Wir wollen auch unser Bobbycar und unseren Traktor hier haben!“ Ich vertröstete sie auf unseren nächsten Heimurlaub. Der kleine Nachbarsjunge hatte eine Heidenfreude und drehte genussvoll und beharrlich Tag für Tag seine Runden vor unserem Haus. Das Gejammer nahm, entsprechend der Dringlichkeit endlich die Fahrzeuge hier zu haben, von Tag zu Tag zu.

Die Zeit bis zu unserem nächsten Heimurlaub erschien uns endlos. Allein die Vorstellung bis dahin das Geheule noch auszuhalten zu müssen, dazu abwechselnd von beiden die Frage in Endlosspule: “Wie lange dauert es noch!”  Ein Ersatzplan musste her!

Schon bald offerierte sich eine wunderbare Möglichkeit. Mein Mann sollte für einige Tage für eine Geschäftsreise nach Deutschland fliegen. Ich unterbreitete ihm umgehend, dass er diese wunderbare Möglichkeit doch prima nutzen könnte: „Das ist toll, da kannst du den Traktor mitbringen!“ So hatte er außer einem Geschäftsauftrag zudem noch eine private Mission. Diese kommentierte er mit einem rigorosen: „Tut mir leid, das geht nicht! Ihr müsst bis zum Heimurlaub warten!“ Die Mädels ignorierten seinen Kommentar und machten stattdessen einen Spielzeug-Einreiseplan. Da immer nur “ein Sperrstück” mit kann, beschlossen sie, das Pferdchen sollte als erstes mitreisen. “Das vermissen wir noch mehr Papa! Und später reist dann der Traktor mit, dann das Bobbycar und ganz am Schluss unsere Puppenwagen!”

Mein Mann schüttelte jedes Mal nur den Kopf und meinte: “Das könnt ihr vergessen!”  Die beiden ignorierten weiterhin unbeirrt seine Kommentare, stattdessen zerrten sie tagtäglich an ihm: „Papa, wann fliegst du nach Deutschland?“ Mein Mann erwiderte jedes Mal im Gegenzug: „Tut mir leid Mädels, das geht nicht. Ihr müsst noch bis zu unserem Heimurlaub warten!“ Er war unerbittlich.

Einige Wochen später, stand mein Mann bei seiner Geschäftsreise am Flughafen, links ein kleiner Bussineskoffer und rechts wartete brav das Pferdchen. Eines lernen Väter recht schnell; Gewisse Peinlichkeiten sind meist von kurzer Dauer, das Gequengel der Kinder jedoch endlos!

So sorgten wir über die Jahre für den einen oder anderen Re-Import. Und manches Pferdchen, mancher Traktor oder manches Bobbycar wunderte sich wohl, warum es sich wieder auf eine so lange Reise machen musste, um genau dorthin zurückzukehren wo es herkam.

Das Pferdchen

Und so geht es weiter …

Chinesisches Essen kennen wir alle. Klar! Wer war nicht unzählige Male beim Chinesen. Wieviel das chinesische Essen das wir kennen tatsächlich mit dem Essen in China zu tun hat …

DU MÖCHTEST AUF KEINEN FALL VERPASSEN WIE ES WEITERGEHT?

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